Grundsatzbeschluss zur Zukunft der Trasse der Kaltenleutgebnerbahn

Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 28.9.2016 unter TOP 14 einstimmig den Grundsatzbeschluss gefasst „Zukunftsperspektiven für die Kaltenleutgebner Bahntrasse im Sinne des Sachverhaltes auszuarbeiten und beauftragt den Mobilitätsausschuss die weiteren Schritte vorzubereiten.“

Hier der Sachverhalt aus dem Antrag im Volltext:

a) Verkehrsorganisation

Wie schon in verschiedenen Studien (Anhänge A bis D) festgestellt, ist das Straßennetz in der Region bereits an einigen Punkten an der Kapazitätsgrenze. Mit Errichtung der Wohnhausanlage Waldmühle Rodaun werden Engpässe im gegenwärtigen Verkehrssystem überstrapaziert, auch ist damit zu rechnen, dass in der Region weitere Großprojekte verwirklicht werden. Perchtoldsdorf ist vom Verkehr aus dem Kaltenleutgebner Tal nicht nur über die herkömmliche Anbindung zum übergeordneten Straßennetz über die Donauwörtherstraße – Mühlgasse bzw. Ketzergasse betroffen, sondern zunehmend auch durch den Ausweichverkehr über Wienerwald und die A23 (siehe Übersicht Anhang E). Über die derzeit ungenutzte Normalspur-Trasse der Kaltenleutgebnerbahn könnten Überlastungen besonders zu den Verkehrsspitzen vermieden bzw. reduziert werden.

b) Innovation

Um die geringere Auslastung außerhalb der Verkehrsspitzen zu nutzen, soll die Trasse auch als Forschungs- und Teststrecke genutzt werden. Im schienengestützten Personennahverkehr ist zu untersuchen, in wie ferne neuere technologische Entwicklungen eingesetzt werden können. Das Sondierungsprojekt „Tram on Demand“ hat ein weites Feld an zu beforschenden Themenbereichen eruiert, als da wären:

  • Akkubetriebene Schienenfahrzeuge
  • Autonom steuernde Schienenfahrzeuge
  • Bedarfsorientierte Fahrplangestaltung
  • Safety & Security in Mobilitätssystemen
  • Usability, Schnittstellengestaltung
  • Auswirkungen auf das räumliche Umfeld, Mobilitätsgewohnheiten

 

c) Strategie

Mit einem kombinierten Projekt, das einerseits zu den Verkehrsspitzen als Personentransportmittel eingesetzt wird und andererseits zu den Schwachlastzeiten diversen Forschungsaktivitäten zur Verfügung steht, sollen die entstehenden Kosten plausibel und vertretbar abgedeckt werden können.

d) Rechtliches/Organisatorisches

Für die Entwicklung und Installierung des Projekts soll ein Betreiberkonsortium unter Einbindung der relevanten Gebietskörperschaften, Ministerien, Forschungseinrichtungen und Vereinen zusammengestellt werden.
Aufgabe dieses Projektkonsortiums ist es, eine passende Organisationsstruktur aufzubauen und eine entsprechende Rechtsform zu finden und einzurichten, sowie einen Finanzierungsplan zu erstellen. Ein besonderer Fokus soll auch von Beginn an auf die Einbindung von AnrainerInnen und künftige NutzerInnen gelegt werden.

e) Die Bedeutung für Perchtoldsdorf

Konkret ist es ein wesentlicher Beitrag zur Reduktion der Verkehrsbelastung. Mit dem Projekt einer innovativen Straßenbahn bekommt Perchtoldsdorf darüber hinaus ein weiteres Alleinstellungsmerkmal und Identifikationsangebot. Es ist ein Signal, den Öffentlichen Verkehr auch in suburbanen Siedlungsgebieten wesentlich attraktiver zu machen.

f) Die Bedeutung für die Länder Niederösterreich und Wien

Die Trasse der Kaltenleutgebner Bahn führt überwiegend über Niederösterreichisches Gebiet, hat aber ihre Endstellen auf Wiener Gebiet. Ihre Reaktivierung für den öffentlichen Personennahverkehr wäre allerdings ein Beitrag zur Reduktion der Verkehrsbelastung in beiden Ländern. Als Pilot- bzw. Leuchtturmprojekt könnte durch länderübergreifende Kooperation ein positiver Beispielfall etabliert werden, wie die Problematik des Öffentlichen Verkehrs in suburbanen Regionen entschärft werden könnte.

g) Die Bedeutung für Österreich

Die Verkehrssituation in der Region – und gewiss auch in anderen vergleichbaren Regionen – ist mehr oder weniger nach den Gesetzen des freien Marktes gewachsen und stößt nun an Grenzen, die von diesem nicht überwunden werden können. Daher ist ein staatlicher Lenkungseingriff nötig, wo der Boden für angemessenere Mobilitätssysteme mit Nachdruck aufbereitet wird. Österreich könnte sich hiermit als Standort zur Erforschung und Einführung zukunftsfähiger Mobilitätssysteme etablieren.

Anhang A: Bezirksverkehrskonzept Mödling, SUM 2014

Anhang B: Studie zu Nutzungsmöglichkeiten der Kaltenleutgebnerbahn für einen Personenverkehr, Seelmann 2010

Anhang C: Variantenvergleich Öffentlicher Verkehr Kaltenleutgebner Tal, Rittler 2013

Anhang D: Verkehr Kaltenleutgebner Tal, SUM 2013

Anhang E: Übersichtsplan

anhang-e-ubersichtsplan-verkehrssituation-perchtoldsdorf

Die Diskussion im Gemeinderat

zu diesem Tagesordnungspunkt kann hier ab Minute (1:27:43) eingesehen werden: Link

Erläuternde Anmerkungen

Wie bekannt, hat die Marktgemeinde Perchtoldsdorf die Trasse der Kaltenleutgebnerbahn von der ÖBB gepachtet und wird sie lt. unserem Gemeinderatsbeschluss vom 10.12.2014 Top 9 mit Ende des laufenden Jahres ins Eigentum übernehmen. Die Intention dieses Beschlusses war, das Verkehrsband als solches zu erhalten, um es verfügbar zu haben, falls sich neue technologische Entwicklungen abzeichnen.

Nun, diese neuen technologischen Entwicklungen zeichnen sich bereits ab. In wenigen Jahren wird zB der autonome Fahrbetrieb Standard sein, ebenso wie der akkuelektrische und damit weitgehend emissionsfreie Antrieb. Damit eröffnen sich auch für Öffentliche Verkehrsmittel völlig neue Möglichkeiten, die es zu entwickeln und auszuloten gilt. Nämlich insbesondere auch hier bei uns im sogenannten suburbanen Raum mit seinem relativ hohen Flächenbedarf bei geringerer Siedlungsdichte als im städtischen Gebiet. Eine dieser völlig neuen Möglichkeiten betrifft zB die sogenannte Gefäßgröße. Diese muss unter den neuen Voraussetzungen nicht mehr möglichst groß sein, um möglichst viele Personen auf einmal zu transportieren, sondern kann auch kleiner ausgeführt werden und sich damit wesentlich besser in das gegebene örtliche Umfeld integrieren, was zu einer größeren Akzeptanz führen wird.

Um etwaige Missverständnisse von vorne herein auszuräumen: Es geht keinesfalls darum auf der Kaltenleutgebner Bahn wieder Vollzüge fahren zu lassen. Das wurde in verschiedenen Studien ja schon untersucht – mit dem Ergebnis, dass es wirtschaftlich nicht vertretbar erscheint. Die Betonung im Antragstitel liegt vielmehr auf Reaktivierung für den öffentlichen Personennahverkehr. Und unter den gegebenen Voraussetzungen kann es nur um die Entwicklung eines verträglichen Verkehrsmittels gehen, das eine möglichst breite Akzeptanz erzielt.

Im nächsten Schritt geht es überhaupt nur darum ein Konsortium zusammenzuführen, das sich dieser durchaus sehr vielschichtige Problemstellung auch sinnvoll annehmen kann. Und ohne eindeutiges Signal seitens der Gemeinde macht es wenig Sinn an potenzielle Konsortialpartner heranzutreten.

In den dann zu erstellenden Konsortialvertrag werden selbstverständlich alle zB seitens Anrainerschaft artikulierten Bedürfnisse eingearbeitet und selbstverständlich wird der Vertragentwurf dann dem Gemeinderat zur weiteren Beratung bzw. Beschlussfassung vorgelegt, selbstverständlich bevor noch irgendetwas auf der Strecke passiert.

Wir haben jetzt als Gemeinde die einmalige Gelegenheit bei dieser Entwicklung ganz weit vorne mit dabei zu sein und ich möchte herzlich einladen, diese Chance nicht passiv verstreichen zu lassen.

 

 

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Förderung der Jahresnetzkarte bleibt

Da der VOR den Tarifzonenplan im Juli 2016 umstellte, mussten auch die Anträge zur Förderung der Jahresnetzkarte in Höhe von € 50,- mit Ein- oder/und Ausstiegstelle in Perchtoldsdorf angepasst werden. Der Gemeinderat hat sich in seiner Sitzung am 28.9.2016 unter TOP 13 einmütig dafür ausgesprochen, dass die Nutzung Öffentlicher Verkehrsmittel auch weiterhin gefördert werden soll.

Das Antragsformular auf Zuschuss für PerchtoldsdorferInnen ist hier erhältlich: Link

Und das auf Zuschuss für EinpendlerInnen hier: Link

Tagung „Suburbane Mobilität“

Auch wenn seit dem letzten Eintrag auf diesem Blog schon eine gewisse Zeit verstrichen ist, bedeutet das nicht, dass nichts geschehen ist. Ganz im Gegenteil, ganz im Gegenteil. Manchmal braucht ein Projekt einfach seine „Brutzeit“, wo es in Ruhe heranreifen kann. Dafür hat es sich auch prächtig entwickeln können. Um welches Projekt es dabei genau geht, soll im Rahmen der Fachtagung „Suburbane Mobilität“ am 28. Mai 2014 im Schloss Hunyadi der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Einladung Titelblatt

Aus dem Begleittext: Mobilität ist eine der Schlüsselfaktoren für die Entwicklung einer Region. In den letzten Jahren wurde vor allem die individuelle Mobilität durch den Ausbau der Straßeninfrastruktur gestärkt. Die Infrastruktur für die öffentlichen Verkehrssysteme wurden parallel dazu systematisch ausgedünnt und zurückgefahren. In der letzten Zeit ist jedoch ausgehend von der Entwicklung in Wien seit 2010 eine Renaissance des öffentlichen Verkehrs zu bemerken. Der PKW-Anteil im Verkehr ist im Südraum von Wien überdurchschnittlich hoch, die Straßen sind mehr als ausgelastet. Die Bautätigkeit im Wohnbau und Gewerbebereich im Süden von Wien heizt den Bedarf nach mehr Mobilität an. Staus, regelmäßige Überschreitungen der Feinstaubgrenzwerte und andere Umwelteffekte sind die Folge. Wie können wir Verkehr mit mehr Komfort und umweltfreundlicher organisieren? Sind neue smarte Straßenbahnen, E-Busse sowie E-Autos die Lösung? Diese Fragen sollen auf dieser Tagung diskutiert werden.

Programm

Land NÖ untersucht die Reaktivierung der Kaltenleutgebnerbahn

Aus dem Kurier vom 20.10.2012: Niederösterreichs oberster Verkehrsplaner Friedrich Zibuschka überlegt ernsthaft, die Kaltenleutgebnerbahn für den Personenverkehr zu reaktivieren.

Mobilitätsleitbild angenommen!

Liebe Arbeitsgruppe zu Erstellung eines Mobilitätsleitbildes für Perchtoldsdorf, liebe Interessierte!

Nicht ohne Freude darf ich berichten, dass wir eine wichtige Hürde in unserem Ringen um eine menschlichere Mobilität genommen haben und möchte mich herzlich für die bisher geleisteten Beiträge und die ernsthafte, aber wohltuende Zusammenarbeit bedanken! Nicht ohne eine gewissen Stolz und bei aller angemessenen Bescheidenheit, glaube ich, dass wir da etwas ziemlich Einmaliges hervorgebracht haben. Es ist z.B. ein echtes Mobilitätsleitbild geworden und nicht nur ein Verkehrskonzept für den Autoverkehr. Damit haben wir auch schon mediales Interesse erweckt. Ö1 brachte am 26.3. ein „Dimensionen – die Welt der Wissenschaft“ zum Thema Gehen, wo unser Leitbild lobend erwähnt wird.

Der Gemeinderat der Marktgemeinde Perchtoldsdorf hat in seiner Sitzung am 28. März 2012 einstimmig das von unserer Arbeitsgruppe vorgeschlagene „Perchtoldsdorfer Mobilitätsleitbild als Richtlinie für die künftige Mobilitätspolitik in Perchtoldsdorf“ angenommen. Hier können die Volltexte heruntergeladen werden:

Jetzt geht es verstärkt in die Umsetzung. Der nächste Schritt ist, die vorgeschlagenen Maßnahmen zu einem förderfähigen Paket zu schnüren, das unter dem Arbeitstitel „Geh- und Radprogramm für Perchtoldsdorf 2012 – 2017“ laufen wird. Wir sind schon dabei, die Unterlagen für den Förderantrag zusammenzutragen. Diese durchlaufen dann mehrere Prüfprozesse und wir hoffen noch vor dem Sommer positive Signale von der Antragsprüfungskommission zu bekommen. Die Zeitpunkte der tatsächlichen Umsetzung und die Reihenfolge hängen dann natürlich wesentlich von den budgetären Möglichkeiten der Gemeinde ab. Aber wir liegen mit den Verkehrsproblemen in der nach Dringlichkeit gereihten Prioritätenliste recht hoch.

Gleichzeitig wird auch eine 2. neue Schiene eröffnet, die die Probleme im Bezug auf den Öffentlichen Verkehr angeht: „Programm für den Öffentlichen Verkehr in der Region Perchtoldsdorf 2012-2022“.

Selbstverständlich wird es zu beiden Programmen Arbeitgruppen geben und ich ersuche um Nachricht, wer bei welcher Arbeitsgruppe partizipieren möchte, danke schön! Ich bemühe mich auch, die Entwicklung der Programme hier zeitnah zu dokumentieren, um sie möglichst breit besprechen zu können.

Auf eine auch weiterhin wohl gelingende Zusammenarbeit für Perchtoldsdorf!

Ich wünsche ein frohes Osterfest!

Christian Apl

Arbeitsgruppe stellt Mobilitätsleitbild fertig

Die offene Arbeitsgruppe zur Erstellung des Mobilitätsleitbildes für Perchtoldsdorf hat beim 13. Mobilitätsplenum am 23. Februar 2012 ihren Vorschlag fertig gestellt. Er wird nun den Gemeinderatsgremien zur weiteren Bearbeitung vorgelegt und kann hier heruntergeladen werden:

Pläne zum Leitbildentwurf

Hier können die für das Plenum am 23.2. aktualisierten Pläne in großer Auflösung heruntergeladen werden (Achtung bis zu 9MB je Datei):