Der letzte große Baustein im Mobilitätsleitbild: die Verkehrsorganisation

Ein wesentliches Motiv um diesen Leitbildprozess anzugehen, waren nicht zuletzt eine Fülle von Klagen und Beschwerden über die stetig zunehmene Verkehrsbelastung. Und selbstverständlich muss bei der Erstellung eines ganzheitlichen und detaillierten Mobilitätsleitbildes für Perchtoldsdorf die Verkehrsorganisation, also wie der motorisierte Verkehr im, aus, in und durch den Ort geleitet wird, einer eingehenden Betrachtung unterzogen werden.

Kurz und bündig stehen wir vor dem Problem, dass einige Straßenzüge im Perchtoldsdorfer Straßennetz ihre Kapazitätsgrenzen definitv erreicht haben und im Ortsgebiet keine weiteren Flächen zur Verfügung stehen, um die Problematik entscheidend zu entschärfen.

Es ist dringender Handlungsbedarf gegeben. Vor allem auch in Hinblick darauf, dass sich das Problem so bald sicher nicht von selbst lösen wird. Ganz im Gegenteil:

  • Perchtoldsdorf liegt in einer Wachstumsregion – dem Bezirk Mödling wird von der Statistik Austria bis 2050 ein Bevölkerungswachstum (und damit auch ein Verkehrswachstum) von 30% vorausgesagt.
  • Der motorisierte Individualverkehr erzeugt eine Reihe sich selbst verstärkender Rückkopplungen:
    • Je mehr Kraftfahrzeuge unterwegs sind, umso mehr Platz brauchen sie und umso unsicherer werden die Straßen für die anderen Verkehrsteilnehmenden, die dann auch eher das eigene Kraftfahrzeug benutzen.
    • Die Raumplanung hat sich jahrzehntelang an einer zunehmenden Motorisierung orientiert, was dazu geführt hat, dass etliche Ziele nur mit dem Auto erreicht werden können, sich schließlich selbst Nahversorger an den hochfrequentierten Einfallsstraßen ansiedelten, womit die fußläufig erreichbare Nahversorgung in den Siedlungsgebieten ausdünnt und sich der Kreis der Kfz-Abhängigen abermals erweitert.
    • Da dadurch immer mehr Menschen ein eigenes Kraftfahrzug besitzen und es auch natürlich auch benützen wollen, müssen auch die Öffentlichen Verkehrsmittel ihr Angebot aus Wirtschaftlichkeitsgründen zurückfahren, wodurch auch für jene, die es bis dahin noch ohne Auto geschafft haben, die Anschaffung eines eigenen Kfz unumgänglich wird.

All dies in Betracht ziehend muss man zu dem Schluss kommen, dass es so, wie es jetzt ist, nicht bleiben kann. Und dass sich die Situation nur verschlimmert, wenn nichts unternommen wird.

Freilich gibt es eine Fülle von Maßnahmen, die dazu beitragen, die Verkehrsbelastung zu reduzieren und der Mobilitätsarbeitskreis hat auch schon eine ganze Reihe konkret für Perchtoldsdorf erarbeitet und zusammen getragen. Aber einmal abgesehen von den damit verbundenen Kosten, brauchen sie erstens Zeit, um wirksam werden zu können und zweitens und am schwierigsten sie brauchen auch Platz.

Platz im Öffentlichen Raum, der heute meist allein dem motorisierten Individualverkehr zugewiesen ist, womit das Dilemma vollständig wird: um die Verkehrsbelastung mittelfristig effektiv zu reduzieren, müssen Maßnahmen gesetzt werden, die sie zuerst einmal erhöhen und die darüber hinaus geeignet sind Ungemach in vielerlei Gestalt zu erzeugen.

Es liegt nun ein Vorschlag (! – noch ist nichts beschlossen) für die Verkehrsorganiation in Perchtoldsdorf vor, der das oben Erwähnte berücksichtigt und den ich versucht habe in einer Powerpoint-Präsentation so darzustellen, dass nachvollziehbar wird, wie er zustande gekommen ist. Bitte behalten Sie bei der Betrachtung im Hinterkopf, dass wir im Prinzip die Wahl haben:

  • entweder nichts zu tun und zuzusehen, wie die Straßen immer mehr verstopfen und die öffentlichen Räume weiter veröden, mit all den negativen Folgen, die das nach sich zieht, z.B. Geschäftesterben, zunehmende Kriminalität usw.
  • oder uns möglichst alle gemeinsam lustvoll der Herausforderung stellen, eine menschenfreundliche Mobilitätskultur im Ort zu etablieren.
  • Ein Drittes gibt es leider nicht.

Zum Download (.pps, 13MB)

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8 Antworten

  1. Wie kommen Fahrzeuge aus Liesing kommend in die Aspettensiedlung?
    Viele Fahrzeuge kommen von der Franz Siegl Gasse und biegen in die Gauguschgasse, was zur Überlastung der Kreuzung führt.
    Trotzdem scheint nach dem Vorschlag nur mehr der Weg – Wienergasse – Schweglergasse – Mühlgasse – Gauguschgasse oder Deyl- Veselly – Brosch Gasse in die Siedlung führen.
    Weiß nicht ob der Umweg zu rechtfertigen ist und von der Bevölkerung angenommen wird.

    • Ich sehe hier beide sinnvollen Varianten kritisch:
      – Die Gauguschgasse komplett als Einbahn zu führen sperrt die Bewohner des gesamten Siedlungsgebietes Aspetten von der Wienergasse ab und sorgt für deren Bewohner für sinnlose zurückgelegte Kilometer.
      – Die Gauguschgasse nur teilweise als Einbahn zu führen (sodass die Römerfeldgasse angebunden bleibt) würde die Verkehrsbelastung in der Römerfeld- und Aspettenstraße unerträglich machen, da der Durchzugsverkehr nun hierher ausweichen würde (es fahren schon jetzt sehr viele Fahrzeuge durch).

      Wenn ich, als Bewohner der Römerfeldgasse, eine Variante wählen könnte, würde ich die erste nehmen, sie beruhigt den Verkehr in der gesamten Aspetten. Optimal ist die Lösung aber nicht.

    • Am Ziel vorbei – EIn Einbahnkonzept ohne Verbesserung des öffentlichen Verkehrs ist keine Lösung. Es ist unrealistisch zu glauben, dass in Perchtoldsdorf ein Großteil der Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden können. Als Berufstätiger – ohne Auto – 2 Kleinkinder in den Kindergarten zu bringen, ist undenkbar.
      Dennoch gibt es in Sachen Autoverkehr Verbesserungspotential, das hier überhaupt nicht erörtert wird. Es gibt derzeit in Perchtoldsdorf 2 überlastete Bereiche:
      1. In der Früh Mühlgasse in Richtung Autobahn
      2. Im Berufsverkehr früh und abends: Kreisverkehr Plättenstraße-Donauwörther Straße
      Das vorgeschlagenen Einbahnsystem bringt neben einem Abschneiden des Viertels nördlich der Kaltenleutgebnerbahn eine unsinnige Verlagerung des Verkehrs auf Nebenstraßen. Ich schließe mich Dieter Bogg an: Wie bringt man seine Kinder vom Soßenviertel in den Kindergarten Aspetten oder Kneippgasse???
      Schweglergasse, Stuttgarterstraße, Gluck-Gasse werden natürlich zu Ausweichrouten, während die Gauguschgasse heute definitiv nicht überlastet ist.
      Eine zweite Zufahrt zum Ortszentrum und zum Sonnbergviertel über die Krautgasse unerlässlich. Das Perchtoldsdorfer Zentrum kann nur überleben, wenn es mit dem Auto gut erreichbar bleibt.
      Auch der tägliche Autoverkehr muss fließen können, und das ist definitiv Teil der Lebensqualität von Perchtoldsdorf. Perchtoldsdorf lebt von der verkehrlichen interaktion mit dem übergeordneten Straßennetz, wir sind keine Insel.
      Das künstliche Verstopfen der Hauptverkehrsadern führt unweigerlich zum Infarkt.

  2. Mir erscheint die Umwidmung in Einbahnstraßen, wie sie aus dem Plan ersichtlich ist, eher der Reduzierung des Verkehrs in einigen Straßen als der Reduzierung des Verkehrs insgesamt beabsichitgt.

    Alleine, wenn ich mir vorstelle, daß der gesamte Verkehr in den Ortskern nur noch über die Brunner Gasse und über den Marktplatz führen soll, frage ich mich: Cui bono? Nur um z.B. die Krautgasse vom Verkehr zu entlasten (warum wohl?), belastet man die Wiener Gasse und den Marktplatz extrem.

    Das derzeitige Konzept erscheint mir wenig bedacht.

  3. Ich sehe bei dem Vorschlag den Versuch den Verkehr in Nebenstraßen abzudrängen. Zum Beispiel ist heute die Stuttgarterstraße noch ziemlich „blechlawinenfrei“. Das würde sich bei Umsetzung des Entwurfs dramatisch ändern. Weiters ist zu befürchten, dass dadurch auch die Nebenstraßen wie die Eigenheimstraße, Jüttnergasse, Wernergasse vermehrt als Schleichwege benutzt werden. Ich rufe daher alle Anrainer in diesem Gebiet auf, alle demokratischen Rechte einzusetzen, um diesen Vorschlag nicht Realität werden zu lassen!

  4. wenn einem das sterben der ortsansässigen gewerbetreibenden ein anliegen ist, warum wird dann der fa rewe (billa, adegg, merkur) auf der donauwörtherstrasse 3 baubewilligungen erteilt. diese grossmärkte ziehen ja noch mehr verkehr an als wir schon haben. nur leben unsere kaufleute von diesem. deshalb meine ich man sollte nicht an der bestehenden verkehslösung herumspielen sondern sie belassen und eine neue brücke über die südbahn bauen. lg dorner rudolf

  5. Auch das beschriebene Konzept wird das Verkehrsproblem nicht lösen. Nur eine praktikable Umfahrungsmöglichkeit des Zentrums wird helfen, den Verkehr im Ortskern auf ein übliches Maß zu reduzieren.
    Das gilt auch für andere Orte wie Brunn am Gebirge und Mödling, wo der Verkehr auch Ausmaße erreicht hat, die mehr als bedenklich sind.
    Ohne einer geeigneten Umfahrungsmöglichkeit zB. des Bereiches Krautgasse/Walzengasse/Hochstrasse wird es nicht gehen.
    Die teilw. Entlastung der Mühlgasse belastet die ´kleinen´ Straßen, die dafür nicht ausgelegt sind.
    Daneben wären schon heute restriktive Geschwindigkeitskontrollen im Ort nötig, um die Unbelehrbaren zur Kassa zu bitten. Als langjähriger Anrainer in der Walzengasse weiß ich, wovon ich spreche.

  6. Die Diskussion um diesen Vorschlag zur Einbahnführung ist zu einem Abschluss gekommen.

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