Vorschläge zum öffentlichen Verkehr in Perchtoldsdorf

Von einem Anrainer aus der Pirquetstraße per Email:

Eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Kaltenleutgebener Bahn zwischen Liesing und Waldmühle würde den Rodaunern, Perchtoldsdorfern und den Kaltenleutgebenern zu Gute kommen. Optimal wären Direktverbindungen nach Wien, es wäre aber schon ein Gewinn, wenn man mit dem Zug nach Liesing fahren und dort in die S-Bahn oder Regionalzüge umsteigen könnte.

In Perchtoldsdorf halte ich Haltestellen beim früheren „Bahnhof Perchtoldsdorf“ – mit einem Parkplatz daneben anstelle des diskutierten Supermarkts – und eventuell bei der Bahngasse/Hochstraße oder (für die Schüler) bei der Sonnbergstraße/Willergasse für nützlich. Ob der Standort des früheren Bahnhofs Rodaun (Hochstraße) sinnvoll ist, bin ich mir nicht sicher.

Nachdem die Kaltenleutgebener Straße, Hochstraße, Ketzergasse und Willergasse in Rodaun seit einigen Jahren zur Stoßzeit von zähem Stau betroffen sind, die Perchtoldsdorfer Straße und die Breitenfurter Straße in Liesing schon länger, müsste auch Wien ein massives Interesse an einer Verlagerung des Pendler- und Schülerverkehrs auf die Schiene haben. Die Busse der Linien 259 und 255 stecken ja ebenfalls im Stau.

Insbesonders dann, wenn auf dem Gelände der ehemaligen Perlmoser Zementfabrik 400 Wohnungen (= mindestens 400 Pkw) errichtet werden, halte ich einen Personenverkehr auf der Kaltenleutgebenerbahn für unabdingbar. Andernfalls würde Rodaun im Stau versinken und auch Perchtoldsdorf und Liesing nachteilig betroffen sein.

Die hohe Siedlungsdichte im „Ballungsgebiet“ Perchtoldsdorf – Brunn – Maria Enzersdorf – Mödling (diese 4 Gemeinden haben zusammen mehr Einwohner als die Landeshauptstadt St. Pölten) würde auf jeden Fall die Errichtung einer Lokalbahn/Straßenbahn, welche ungefähr dem Verlauf der 1967 stillgelegten Straßenbahn 360 folgt, von Wien Rodaun nach Mödling rechtfertigen. Auch eine optimierte Busverbindung (Linie 259) würde nie die Kapazität, den Komfort und Reisegeschwindigkeit einer Lokalbahn erreichen. Eine der Badenerbahn ähnliche Direktverbindung nach Wien wäre optimal. Nachdem die Ortszentren von Perchtoldsdorf, Brunn, Maria Enzersdorf und Mödling alle deutlich westlich der Südbahn liegen, halte ich das Argument, dass mit der Südbahn ohnehin eine leistungsfähige Verbindung nach Wien besteht, für nicht stichhaltig.

Ich vermute, dass die Wiener Linien sich zieren werden, außerhalb von Wien Verkehrsleistungen anzubieten, sodass ich einen Betrieb durch die WLB vorschlagen würde. Eine Anbindung an die Badner Bahn in Wiener Neudorf wäre auf jeden Fall sinnvoll.

Die Einbeziehung Perchtoldsdorfs in die VOR-Kernzone 100. Dies würde viele Perchtoldsdorfer, die nach Wien pendeln, motivieren, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, ebenso Besucher der Heurigenlokale und des Erholungszentrums. Für wenige Stationen in Perchtoldsdorf eine zusätzliche VOR-Zone bezahlen zu müssen, stellt sicherlich eine erhebliche Hürde dar.

Vgl. dazu auch 360er neu und Vorschlag: Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Kaltenleutgebenerbahn

4 Antworten

  1. Von einer Anrainerin per Email:

    zur gerade bestehenden Diskussion hinsichtlich Mobilität und Verkehrskonzept in Perchtoldsdorf erlaube ich mir einen Punkt aufzugreifen, der mich in den letzten Monaten sehr beschäftigt hat und vielleicht auch Berücksichtigung in den Gesprächen finden könnte bzw in geänderte Busverbindungen und Zeiten einfließen und berücksichtigt werden sollte – zumindest würde uns dies leidgeprüften Taximütter sehr freuen:

    Kinder, die aus Wiener Schulen (St. Ursula, Rudolf Steiner Schule – beide Wien Mauer) mittels der Straßenbahnlinie 60er in das Ortszentrum Perchtoldsdorf kommen wollen, haben keine bis sehr schlechte Verkehrsverbindungen, da weder der Ortsrundkurs, noch der 259er auf die Schulzeiten abgestimmt sind.

    Haben die Kinder fünf Unterrichtsstunden (St. Ursula Unterrichtsschluss 13.00 Uhr) , müssen sie jedenfalls von Rodaun abgeholt werden. Haben die Kinder sechs Unterrichtsstunden (St. Ursula Unterrichtsschluss 13.55 Uhr) , dann wird der 259er nur erreicht, wenn der Bus Verspätung hat (ist ungefähr die Hälfte der Schultage). Wenn der Bus pünktlich weggefahren ist und die Kinder daher den Bus nicht erwischt haben, müssen die Kinder wiederum von Rodaun abgeholt werden. Der Alternativweg 60A bis Liesing und dann mit dem 256 funktioniert gar nicht, weil der 60A in Liesing in der Praxis erst eintrifft, wenn der 256 gerade wegfährt.

  2. Ich bin ebenfalls leidgeprüfte Mutter zweier Schüler der AHS St. Ursula und möchte daher den betreffenden Kommentar auf ihrer Webseite unterstützen. Die Schüler müssen nach Schulschluss zumeist zur Straßenbahn laufen (Gefahrenpotential!), um überhaupt die Chance zu haben, den Anschluss 259 in der Kaiser-Franz-Josef Str. zu erreichen. Ansonsten ist eine 30 min. Wartezeit nicht wirklich zumutbar. Eine Anpassung der Buszeiten der Linie 259 wäre sehr wünschenswert und würde dazu beitragen, den Individualverkehr zu reduzieren.

  3. Von einem Anrainer per Email:

    Im Hinblick auf die Alterstruktur unserer Gemeinde mit einem hohen Anteil an Pensionisten müsste der öffentliche Verkehr zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wenn ich meinen Bekanntenkreis als Maßstab hernehme, besteht in der bisherigen Autofahrergeneration eine große Unsicherheit in Bezug auf das Angebot im öffentlichen Verkehr und seine sinnvolle Nützung. Eine ständige Information wäre daher notwendig, etwa auch in der Perchtoldsdorfer Rundschau, um die Nutzer zu erhöhen.

    Aufgrund der Diskussion auf mpd-online zum Thema „Zug-Busanbindung“ möchte ich meine Sicht einbringen.

    Ich selbst bin seit rund 10 Jahren öffentlich mit Jahreskarte unterwegs (100+260B) und erlaube mir folgende (widerlegbare) Feststellungen zu treffen.

    • Der Fahrplan der Linie 256 mit 30 bzw. 20 Minutentakt in der Hauptverkehrszeit und sehr langen Betriebszeiten (23 h 25 ab Liesing) ist ein gutes bis sehr gutes Angebot (wenn man es z.B. mit anderen Orten im Bezirk Mödling vergleicht, z.B. Gaaden bei Mödling).
    • Die Bahn änderte öfters, manchmal wenig nachvollziehbar, den Fahrplan. Der Postbus reagiert darauf kaum. Eine Abstimmung der Verkehrsträger erfolgt offensichtlich nicht. Als regionales System wäre dies m.A. nach Aufgabe des Postbusses oder des VOR.
    • Wenn Anschlüsse in Liesing in der Hauptverkehrszeit gut sind, dürfte das eher auf Zufall, nicht auf Planung beruhen. Durch die mindestens 6 Zug-Verbindungen pro Stunde jammert man natürlich auf hohem Niveau.
    • Die Problematik des Fahrplans hat Herr Bednarik zutreffend geschildert. Wenn Linie 256 um 20 und 50, Linie 259 um 16 und 46 in Liesing ankommt, die Schnellbahn um 01 und 31 nach Wien abfährt, dann ist dies nur wenig zufriedenstellend. In den verkehrsschwächeren Zeiten ist der Bus meistens 2-3 Minuten schneller, wodurch sich eine noch längere Wartezeit ergibt. Die Ankunft der Schnellbahn um 58 und 28 in Liesing, die Abfahrtszeiten der Linie 256 drei Minuten früher um 55 und 25 erklären sich selbst. Per Zufallsgenerator würde man wahrscheinlich eine bessere Abstimmung zusammenbringen.
    • Wegen der lästigen Wartezeiten tendiere ich dazu etwa am Sonntag mit dem Auto zumindest bis Liesing zu fahren.
    • Unplanmäßig schnell ist man übrigens mit dem Bus 256, der um 6 h 30 in Liesing ankommen sollte, aber (fast) immer die Schnellbahn um 6 h 31 erreicht. Der Bus um 8 h 30 ist dafür ab Tirolerhof meist (bis zu 10-12 Minuten) verspätet, holt aber in der Regel einige Minuten ein.
    • Durch eine bessere Fahrplanabstimmung könnte daher einiges an Zeit gewonnen, lästige Wartezeit vermieden werden. Die Buszeiten müssten daher angepasst werden.
    • Da für die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs die gesamte Reisezeit von Haus zu Haus wichtig ist, sind kurze Umsteigezeiten bedeutsam.

    Ausgehend vom jetzigen Fahrplan würde ich die Linie 256 außerhalb der Hauptverkehrszeit um 19 und 49 ab Liesing abfahren lassen. Dies ermöglicht einen brauchbaren Anschluss an den Wiesel, der um 12 und 42 aus Wien und um 14 und 44 aus Wr. Neustadt kommt. Ein ambitioniert kurzer Anschluss an die aus Wien kommende Schnellbahn um 16 und 46 wäre auch gegeben.

    Der Vorschlag von Herrn Bednarik hinsichtlich der Buszeiten nach Liesing hat etwas für sich, da sich eine Wartezeit von jeweils 5 Minuten nach Wien ergeben (Ankunft 256 um 05 und 35, Linie 259 um 26 und 56). Vier, vielleicht auch drei Minuten sollten aber auch als Übergangszeit reichen. Positiv wäre bei Linie 256 auch der Anschluss an den Wiesel Richtung Süden um 13 und 43.

    Ein echter Taktfahrplan der Schnellbahn wäre für eine bessere Planung sicher hilfreich. Nach/von Wien sollten sich die Anschlüsse primär an der Schnellbahn orientieren, nach/von Süden an den schnelleren REX-Verbindungen, da man von Perchtoldsdorf kaum über Liesing nach Brunn Maria Enzersdorf fahren wird. Außerdem hätte man in Wr.Neustadt mit dem REX weitergehende D-Zug-Anschlüsse Richtung Graz und Klagenfurt.

    Zu hoffen ist, dass der eigenartige Taktfahrplan auf der Schnellbahn nur vorübergehend ist und die ÖBB selbst eine Änderung anstrebt. Für eine entsprechende Busplanung müsste man daher möglichst rasch die für 2012 geplanten Fahrpläne in Erfahrung bringen.

  4. S-Bahnstation Perchtoldsdorf zur VOR-Kernzone 100 (Wien):
    Diese Maßnahme wäre, so glaube ich, im Verhältnis zu anderen genannten Maßnahmen relativ einfach umsetzbar und sinnvoll, da sie wahrscheinlich viele Perchtoldsdorfer und umgekehrt auch viele Perchtoldsdorfbesucher (Heurigenbesucher etc.) motivieren würde, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benützen. Derzeit ist der Fahrpreis auf der S-Bahn mit 1,80€ (Vollpreis) für die rd. 1,25km lange S-Bahnstrecke von der Haltestelle Perchtoldsdorf bis zur Zonengrenze Kernzone 100, ja eher das beste Argmuent sofort in sein Auto zu steigen. Umgelegt auf Wien, müsste bei den umgerechnet 1,44€/km, die man/frau auf der Strecke Perchtoldsdorf – Wien zahlt, der Einzelfahrschein vom VOR/Wiener Linien schon über 10€ kosten.
    Die Kosten für diese Maßnahme, die relativ leicht und ohne große Umstellungen im System der ÖBB (=wichtiger Aspekt, wenn es um die Machbarkeit geht) zu bewerkstelligen ist, würde überschlagsmäßig berechnet (u. der Annahme, dass bei den rd. 160 Zugverbindungen auf der o.a. Strecke und bei rd. 10 Personen, die je Zugkurs von/nach Perchtoldsdorf unterwegs sind und ohne dieser Maßnahem 1,80€ Vollpreis zahlen würden) maximal 2.880 €/Tag ausmachen. Da es sich hier um die im Zuge der Umsetzung der Maßnahme entgangenen Einnahmen der ÖBB auf dieser Strecke handelt. In Wirklichkeit müsste der auszuhandelnde und von der Stadtgemeinde zu ersetzende Verdienstentgang der ÖBB darunter liegen, da der Ticketpreis aufgrund der Zonenabgrenzung in keinem Verhältnis zu der im Rahmen des VOR erbrachten Transportleistung steht. Natürlich ist der abzugeltende Betrrag nicht unbedingt gering, jedoch verglichen damit, was es kosten würde eine alte Bahnlinie zu revitalisieren (was mit ziemlicher Sicherheit aus Kostengründen nicht durchführbar sein wird) äußerst günstig.

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