Mobilität und Energie

Der Gemeinderat der Marktgemeinde Perchtoldsdorf hat sich in seiner Sitzung vom 10. Dezember 2008 mit der Leitlinie „Energieautarkes Perchtoldsdorf“ einstimmig zum ehestmöglichen „Ausstieg aus fossilen Energieträgern“ bekannt. Seither sind etliche Aktivitäten gesetzt worden, um diesem Ziel näher zu kommen und einiges ist auch schon gelungen: Die gemeindeeigenen Gebäude werden beispielsweise in sehr absehbarer Zeit mit Biomassefernwärme versorgt. Wien Energie liefert uns nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen. Die Förderinitiativen von privaten Solarthermie- und Photovoltaik-Anlagen waren so erfolgreich, dass das verfügbare Gemeindebudget bald ausgereizt war. Am Mobilitätssektor geht in Kürze der 0-Emissionsbus in Betrieb (vgl. auch).

Während also im Bereich Wärmeenergie und Stromversorgung schöne Fortschritte zu verzeichnen sind, wurde der Bereich Mobilitätsenergie in der bisherigen Diskussion noch nicht gebührend berücksichtigt. Das mag daher rühren, das die Versorung mit Wärme und Strom eher technische Fragestellungen sind, mit relativ einfach kalkulierbaren Größen, wohingegen schon der Begriff „Mobilitätsenergiebedarf“ merkwürdig fremd klingt, weil bei der Verkehrsdebatte eindeutig andere Themen im Vordergrund stehen: Staus, Geschwindigkeit, Lärm- und Schadstoffbelastung und auch die Rolle des eigenen Autos als Statussymbol.

Gesamtösterreichisch betrachtet gehen allerdings 34% des Energieverbrauchs in den Verkehr, womit dieser Sektor der größte Verbraucher ist, noch vor der Industrie (29%) und den Privathaushalten (25%). Zudem kommen fast 90% der Energie für den Verkehr aus Mineralölprodukten, was eine hohe Abhängigkeit der Mobilität vom Erdöl bedeutet. Und das bei weiter hohen Steigerungsraten. Während der Energieverbrauch z.B. der privaten Haushalte in Österreich von 1990 bis 2008 „nur“ um 12% zunahm, wuchs der Verbrauch am Verkehrssektor um 76%, beim Flugverkehr gar um 140%.

Laut VCÖ ist die Herausforderung die, „den Energieverbrauch durch Vermeidung nicht notwendiger Verkehre, durch Forcierung von von fossilen Treibstoffen unabhängigen Mobilitätsformen und durch Investitionen in Energieeffizienz zu senken.“ (VCÖ-Schriftenreihe, „Energiewende – Schlüsselfaktor Verkehr“ 2010, S. 13).

Außerdem sollten wir uns in Perchtoldsdorf auch überlegen, was denn passieren wird, sollte es einmal einen Engpass in der Benzinversorgung geben oder die Benzinpreise plötzlich stark steigen. Peak Oil ist ja lt. einigen Studien schon überschritten und man kann auch nicht davon ausgehen, dass die Rohstoffmärkte dauerhaft stabil bleiben – selbst die Jahresdurchschnittswerte zeigen gerade in den letzten Jahren bedeutende Schwankungen:

Es kann angesichts dieser Entwicklungen nicht völlig ausgeschlossen werden, dass uns der Ausstieg aus fossilen Energieträgern ziemlich kurzfristig gewissermaßen aufgezwungen wird und wir werden gut daran tun, jetzt schon Vorbereitungen zu treffen, um auch für diesen Fall die Mobilitätsbedürfnisse auch dann noch so gut als möglich decken zu können.

Fuß- und Radwege werden dann wohl nicht das Problem sein, da dann auch Platz genug sein wird. Am problematischsten werden vermutlich die Wege sein, die zur Zeit nur mit dem eigenen Kfz bewältigt werden können und wo auch das öffentliche Angebot nicht ausreicht.

Diese Problemstellung lässt sich von mehreren Seiten her auflösen:

  • gut wird fahren, wer jetzt schon darauf achtet, die Wege so kurz als möglich zu halten,
  • die Öffentlichen Verkehrsmittel sollten zumindest konzeptionell flächendeckend gedacht werden und notfalls rasch installiert werden können,
  • Anbahnung von hilfreichen Kooperationen, also z.B. Fahrgemeinschaften und
  • Anschaffung von Fahrzeugen, die von fossilen Treibstoffen unabhängig sind, also E-Fahrzeuge aller Art, die wiederum ihren Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen decken.

All dies sollte auch bei der Erstellung des Mobilitätsleitbildes für Perchtoldsdorf berücksichtigt respektive mitgedacht werden.

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